Twizel – mein Weg zur Traumforelle

Twizel – mein Weg zur Traumforelle

Ein Gastbeitrag von Karsten Voigt


Ich hatte im Flugzeug auf dem Weg nach Auckland Fernsehen geschaut und eine interessante Kochshow über verschiedene neuseeländische Fischarten gefunden. Dort hörte ich das erste Mal von den Kanälen und den großen Forellen und Lachsen rund um Twizel, einem kleinen Ort inmitten der Südinsel Neuseelands. Als wir im November in Riverton Wayne kennenlernten, der nicht nur Paua-Muscheln verarbeitet, sondern auch leidenschaftlich gern angelt und uns von seinen Fängen in den Kanälen vorschwärmte, kaufte ich mir am folgenden Tag endlich eine Angellizenz für Süßgewässer.
Danach sollten noch einmal weitere zwei Wochen vergehen, bis wir in der Gegend um Twizel ankamen. Dort steuerten wir direkt eine der drei in der Gegend angesiedelten Fischfarmen an. Rute ausgepackt, Gummifisch angebastelt und los ging‘s. Doch die Strömung im Kanal war zu stark für das geringe Gewicht des Gummifisches, der nicht im Ansatz den Grund berührte, sondern stattdessen von der Strömung mitgerissen wurde. Hmmm, was nun? Ich schaute mich um und beobachtete die Angler um mich herum. Wie angeln sie unter diesen Bedingungen? Sie angelten mit einer anderen Technik, warfen ihre Montage möglichst nah an die die Netze der Fischfarm und liefen parallel zum Kanal mit der Strömungsgeschwindigkeit stromabwärts. So richtig konnte ich mir keinen Reim darauf machen, was das für eine Art des Angelns sein sollte. Plötzlich quatschten mich zwei Angler an, Vater und Sohn aus Australien, und zeigten mir ganz unbefangen ihre Montage: Ein Stück Grundblei und ein 30 cm oberhalb an der Hauptschnur befestigter Seitenarm (ca. 50 cm lang) mit Haken. Auf den Haken steckten sie künstliche rötlich orangene Fischeier. Ohne zu fragen bastelten sie mir zügig eine solche Montage an meine Angel und fortan gingen wir zu dritt auf die Jagd, hintereinander stromabwärts laufend. Das Grundblei hielt den Köder knapp über dem Grund und an der Rute konnte man spüren, wie das Blei über den Grund tänzelte und ihn dabei immer mal wieder berührte. Meine Rute ist jedoch zu steif und eigentlich nicht für diese Art des Angelns ausgelegt, daher war es schwierig den Grundkontakt in seiner Feinheit zu spüren. Der Trick war, immer den direkten Kontakt zum Blei zu halten und bei einem plötzlichen Zug oder Festhalten anzuhauen. Die beiden Australier fingen immerhin drei handliche Forellen zwischen 4-5 Pfund, die sie zu meiner Verzweiflung alle wieder schwimmen ließen, da sie noch an einem Fisch vom Vortag zehrten. Sie zeigten mir Fotos von ihren Fischen und ich wurde immer heißer. Ich hielt 2 Stunden im Dauerregen aus, bevor ich ohne Erfolg aufgab. Nichts desto trotz war die erste Session in Twizel äußerst lehrreich.

Tag 2.
Am nächsten Tag fuhren wir Richtung Mount Cook und machten eine wundervolle Wanderung zum Gletscher. Auf der Rückfahrt am Nachmittag steuerten wir eine andere Fischfarm an. Dort, wo wir parkten, waren drei Kiwis eifrig am auf und ablaufen, sie gingen also gleichermaßen vor wie die Australier vom Vortag. Ich gesellte mich zu ihnen und mischte mich in die Reihe ein. Aber die Strömung an dieser Farm war wesentlich stärker und mein Grundblei zu leicht. Jeffrey, einer der drei, verwickelte mich in ein Gespräch. Is ja klar, wir sind in Neuseeland, da hat man sich nicht so. Er gab mir ein schwereres Blei und weiter ging es. Sie hatten schon 3 überdimensionale Forellen am Ufer zu liegen und immer wieder zogen sie weitere Fische heraus. Die meisten ließen sie wieder schwimmen. Zu klein. Es war nur erlaubt 2 Fische pro Tag und pro Person einzustecken, daher warteten sie auf die großen. Ich wurde beim Anblick ihrer Fänge immer wuschiger, wollte auch endlich einen Fisch landen, egal wie groß er auch sei. Die Stunden verrannen und ich hatte keinen Erfolg. Ich half ihnen aber beim Anlanden der Fische und konnte mir so genauer ihre Köder anschauen. Sie angelten mit einem sogenannten Wooly Bugger, einer größeren künstlichen Fliege, die das Futter von Forellen wie Larven und Flusskrebse imitiert. Auf den Haken steckten sie zusätzlich noch eine fette Käferlarve. Jeffrey erzählte mir, dass schwarze Wooly Bugger mit ein bisschen Glitzer im Schwanz für die Dämmerung und grüne oder braune für den Tag am besten seien.

Wooly Bugger

Es war toll, so viele Infos zu bekommen und dann holte der Kumpel von Jeffry noch einen richtig dicken Fisch aus dem Wasser…eine Regenbogenforelle mit 13,5 kg. Ungelogen, ich habe sie an der Wage hängen sehen! Ich verstand mich immer besser mit Jeffrey, er entpuppte sich immer mehr als ein sehr sozialer Angelprofi und er wollte unbedingt noch, dass ich einen Fisch an die Angel bekomme. Aber statt mir war ihm das Glück hold und so fing er noch eine Forelle von gut 5 Pfund, die aus dem Kiemenbereich blutete. Er musste ihn mitnehmen, da der Fisch bereits von einem alten Haken verletzt war. Er ärgerte sich sehr darüber, weil sein Kontingent schon voll war. Insgeheim wünschte ich mir, dass er ihn mir später vielleicht schenken würde. Wir angelten noch eine Weile weiter und er ließ mich sogar noch mit seiner weicheren Hightech-Angel fischen, mit der ich wesentlich besser das Blei bei seinen Kontakten mit dem Grund spüren konnte.

Aber die Fische hatten für heute genug. Jeffrey sagte zwischendurch schon mal Betty bescheid, die die ganze Zeit im Van ausharrte, dass wir den Fisch haben können. Als er ihn mir danach anbot, freute ich mich sehr, endlich einen leckeren Fisch verspeisen zu können, auch wenn ich ihn nicht selbst gelandet hatte. Wir aßen die erste Portion frische Forelle noch direkt am Kanal. Das Fleisch sah rosarot aus wie bei einem Lachs. Sehr lecker! Ich verabredete mich mit den anderen Anglern für den nächsten Tag, an dem sie nur bis Mittag angeln und danach nach Hause fahren wollten.

Forelle frisch gebraten

Tag 3.
Als erstes fuhr ich zum Angellanden und holte mir Wooly Bugger in Schwarz und Grün sowie gescheites Blei. Jeffrey war schon da, als ich ankam. Und weiter probierte ich fleißig meine bisher erlernten Fähigkeiten aus. Die neuen Köder erwiesen sich als Treffer und schon nach kurzer Zeit hatte ich endlich den ersten Fisch an der Rute. Doch ich war zu nervös und hielt die Schnur nicht konstant straff, sodass sich der Fisch nach wenigen Sekunden löste. Doch Diana sollte mir hold bleiben und ich fing eine kleine Forelle von vielleicht einem knappen Kilo. Jeffrey freute sich riesig und half mir beim Anlanden. Er entließ den Fisch zu meiner Überraschung jedoch gleich wieder in die Freiheit. Zu klein. Nun groovte ich mich langsam ein und fing noch 2 weitere Forellen, die beide relativ klein waren. Ich wartete auch auf einen großen. Jeffrey und Co. verabschiedeten sich gegen 11:00 Uhr und fortan war ich allein. Der Nachmittag brachte nichts mehr ein außer viele abgerissene Montagen und ich ärgerte mich, die Fische vom Vormittag wieder in die Freiheit entlassen zu haben. Ein bisschen ernüchtert und mit dem Gefühl, irgendwie noch nicht richtig am Ziel zu sein packte ich meine Sachen. Am Abend verspeisten wir den Rest der Forelle, die wir geschenkt bekommen hatten.

Tag 4.
Ich war morgens noch am Hin- und Herüberlegen, ob ich es nochmal an gleicher Stelle versuchen sollte und war drauf und dran woanders hinzufahren. Aber dann war es doch irgendwie am einfachsten nochmal die gleiche Stelle anzusteuern. Diesmal waren eine Gruppe Männer asiatischer Abstammung an der Stelle und fingen fleißig Forellen, auch große. Ich blieb am Drücker, lief Strecke um Strecke den Kanal auf und ab, immer mit möglichst direktem Kontakt zum Blei und somit zur Fliege, die nahe am Grund eine Forelle überzeugen sollte. Nach ca. einer Stunde, als ich gerade meinen Köder wieder einholen wollte, spürte ich Fischkontakt! Aber diesmal merkte ich im Vergleich zu den kleinen Forellen vom Vortag schnell, dass es sich hier um deutlich mehr Kraft am anderen Ende handelte. Adrenalin schoss durch meine Adern und ich stellte schnell die Knarre so ein, dass der Fisch Sehne nehmen kann, wenn er eine Flucht unternimmt. Kurz darauf spritzte das Wasser und der Fisch sprang gut 20 Meter entfernt aus dem Wasser. Woooow, was für ein Tier! Er hing gut, konnte sich durch den Sprung nicht vom Haken befreien, flüchtete ins tiefe Mittelwasser und kämpfte. Meine Nerven gingen mit mir durch. Ich rief den mir am nächsten stehenden Angler mit einem Unterfangkäscher heran. Er kam lässig herangetrabt und strahlte sehr viel Ruhe und Erfahrung aus. Ich hatte Spaß am Drill, aber mir gingen viele Gedanken durch den Kopf: „Hält die Schnur stand?….ich WILL diesen Fisch unbedingt!“ Dann kurbelte ich Meter um Meter ein und die ersten vom Fisch erzeugten Wellen bildeten sich. Dann sah ich ihn endlich. Silbern schimmerte die Silhouette durch das klare Wasser. Ich traute meinen Augen kaum. Es war eine von den größeren Forellen. Sie unternahm immer wieder kleinere Fluchten und ich versuchte sie unter Wasser halten. Ich wollte unbedingt verhindern, dass sie nochmal springt. Ich fragte den mir zur Hilfe geeilten Angler nach einer Weile, ob der Fisch schon müde genug sei und er meinte, dass er noch Zeit bräuchte. Ich war schon total wuschig, wollte diesen Fisch unbedingt haben. Er wurde langsam müder, aber es war immer noch etwas Zeit. Dann endlich setzen wir zum Landen der Beute an. Die Forelle war im Kescher…..Juhuuuuuuuuu….! Ich ließ meinen Emotionen freien Lauf, schrie vor Glück und sprang dem Angler um den Hals und bedankte mich. Wir bargen die Forelle aus dem Kescher…der Haken saß richtig gut. Betty kam nach dem Freudenschrei herbeigelaufen und freute sich ebenfalls mit mir. Ich musste erstmal eine Ziese Rauchen und meine Nerven beruhigen. Ich war total fertig 🙂 Wir schätzten die Regenbogenforelle auf 5-6 Kilogramm, eine Waage war nicht vorhanden. Nach einer Weile starteten wir die Fotosession. Unser Weihnachtsessen war gesichert und ich um ein intensives Erlebnis reicher.

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