Come!unity! – Leben in einer Kommune

Come!unity! – Leben in einer Kommune

Ich sitze gerade auf einer gemütlichen Terrasse, um mich herum zwitschern die Vögel, die Sonne scheint, neben mir stehen ein Spinnrad und ein Schaukelstuhl, in der Ferne sind die Berge erkennbar. Seit Anfang der Woche stehen Karsten und ich mit unserem Van im Garten von Klaus und Beth – Klaus ist ein Deutscher, der vor 35 Jahren nach Neuseeland ausgewandert ist und Beth, seine Frau, kommt von den Philippinen. Die beiden sind Teil der Riverside Community, der ältesten Kommune Neuseelands!
Doch wie sind wir beide nun hierher gekommen? Nachdem wir über Weihnachten eine Woche in Christchurch verbracht hatten, machten wir uns zum Jahresende wieder auf den Weg, gute 400 km gen Norden, um den Jahreswechsel auf einem kleinen Festival in der Nähe von Motueka zu feiern. Motueka liegt ganz im Norden der Südinsel und kann die meisten Sonnenstunden Neuseelands für sich verbuchen. Auch wenn ich dies nicht gewusst hätte, würde ich es ohne weiteres glauben, denn seitdem wir hier sind, gab es noch nicht einen Tag ohne Sonnenschein, dazu angenehm bis heiße sommerliche Temperaturen von 20 – 25 Grad.
Grundsätzlich sind wir super ins neue Jahr gestartet, es ging dann allerdings nicht ganz so super weiter, denn wir mussten mit dem Van zur Werkstatt und die Diagnose lautete Motorschaden… ich könnte an dieser Stelle noch sehr viel mehr schreiben, von technischen Ausführungen bis hin zu unserer allgemeinen Stimmung, die erwartungsgemäß über mehrere Tage alles andere als positiv war… aber im Endeffekt müssen wir nun eher schauen, wie es weiter geht und üben uns gleichzeitig darin dankbar zu sein für die tollen vergangenen 3 Monate, die wir (auch dank des Autos) hatten und es als das zu sehen, was es ist – Pech, ein kaputter Gebrauchsgegenstand und Geld, das aufgebracht werden muss, um (höchstwahrscheinlich) ein anderes Auto zu kaufen.
Nachdem wir nun also etwas „stuck“ in Motueka waren, beschloss ich am vergangenen Samstag kurzerhand ca. 70 km über den „hill“ nach Takaka zu trampen, da dort der Wochenendmarkt stattfinden sollte. In Takaka war es sehr voll, was für mich schon fast im Gegensatz zu dem kleinen niedlichen Örtchen stand und v. a. zu dem Zustand, in dem es sich im Oktober befunden hatte, als wir schon einmal hier waren! Aber gut, der Sommer hat mittlerweile Einzug gehalten, somit ist die Hauptsaison für Touristen angebrochen und auch viele Kiwis haben noch Ferien und sind innerhalb ihres Landes auf Reisen. Den Markt- und Ortsbesuch habe ich sehr genossen, ich traf noch einige Leute vom Festival wieder und Takaka generell ist ein sehr buntes, alternatives Örtchen, in dem sich viele kreative Leute tummeln.
Auf dem Rückweg stoppte dann netterweise Charles um mich mitzunehmen. Charles arbeitet als Tourguide in Takaka, lebt aber in Motueka und ist Mitglied der Riverside Community. Somit erfuhr ich durch ihn als erstes von der Community. Diese kann getrost mit „Kommune“ übersetzt werden und ich möchte im folgenden kurz ein wenig von den Prinzipien erzählen, um eventuellen Missverständnissen vorzubeugen. Die Community besteht aus z. Zt. 25 Leuten und es gibt einen gemeinsamen finanziellen „Topf“, in den alle einzahlen. Bspw. behält Charles sein Einkommen nicht, sondern zahlt es in den besagten Topf ein. Generell gibt es kein Privateigentum – ähnlich wie im Kommunismus –, die Häuser, in denen die Leute wohnen, die Autos, die sie benutzen, gehören der Community. Neue Mitglieder müssen Wertgegenstände, Vermögen etc. aufgeben, sie haben ein Wohnrecht für ihr Haus (aber es gehört ihnen nicht) und wenn man ein Community-Auto benötigt, trägt man sich in einen Kalender ein und kann es benutzen/ausleihen. Wenn Mitglieder keinem „normalen“ Job nachgehen, sollten sie etwa 40 Wochenstunden für die Community arbeiten. Hierbei gibt es verschiedene Möglichkeiten, bspw. im Garten – an dem Obst und Gemüse darf sich jede/r jederzeit bedienen –, beim Melken und der Milchverarbeitung (es gibt eine öffentliche Milchtankstelle mit Rohmilch, die Geld einbringt), in der Autowerkstatt, im Hostel oder im Community-Zentrum, in dem auch öffentliche Veranstaltungen, Kurse, Workshops stattfinden.
Nachdem ich dann wieder in Motueka angekommen war und Karsten und ich auf der Freedomcampsite genächtigt hatten, fuhren wir zum frühstücken in eine kleine Straße vor einen Park. Als ich gerade am Porridge kochen war, kam eine ältere Dame auf uns zu und ich ertappte mich dabei, wie ich schon halb befürchtete sie würde uns darüber aufklären wollen, dass man dort nicht über Nacht stehen dürfe oder uns zumindest komisch angucken, aber nein…wir sind ja in Neuseeland und so sagte sie zur Begrüßung etwas wie „home sweet home“. Im Schlepptau hatte sie ihr mit bunten Blumen geschmücktes Fahrrad samt Anhänger, in dem sich allerhand Gartengeräte befanden. Wir kamen mit ihr ins Gespräch und sie erzählte uns, dass es in diesem Park einen „community edible food forest“ gäbe, also einen für alle zugänglichen Garten mit allerhand essbaren Pflanzen, Obst und Gemüse. Um die Pflege und Instandhaltung kümmern sich Freiwillige, allen voran die rüstige, bereits 90-jährige Dawn, die mehrmals pro Woche hierher kommt.
Da wir sowieso noch keine weiteren Pläne für den Tag geschmiedet hatten, beschlossen wir kurzerhand zu bleiben und Dawn bei der Gartenarbeit zu helfen. Es war ein schönes Gefühl der älteren Dame unter die Arme greifen zu können und darüber hinaus tauschten wir uns mit ihr rege über dies und jenes aus. Sie erzählte uns auch, dass sie ein ehemaliges Mitglied der Riverside Community gewesen sei und so erfuhren wir hier zum zweiten Mal von der Kommune. Wir tauschten uns mit ihr auch über unsere Interessen bzw. Projekte, denen wir uns gern anschließen würden, wie bspw. Käsemachen oder den Bau von Tiny Houses, aus. Nachdem sie uns im Gegenzug von vielen interessanten Menschen mit spannenden Projekten in Riverside berichtete, kamen wir irgendwann zu dem Schluss, dass wir eigentlich dorthin fahren und mit den Leuten in Kontakt kommen müssten – gesagt getan 🙂 wir fuhren noch am gleichen Tag nach Riverside und fragten uns einfach durch. Klaus war dann gleich super nett und bot uns an, dass wir bei ihm für Kost und Logis bleiben könnten. Im Gegenzug könnte er gut Hilfe bei dem ein oder anderen Bauprojekt gebrauchen und auch im Garten gebe es immer genug zu tun. So sind wir nun hier und werden vermutlich erst einmal eine Woche bleiben, bevor wir weiter ziehen und auch entscheiden müssen, was mit dem Auto passieren soll.

Is it monkey day?


Aber für den Moment ist es schön, mal wieder etwas länger an einem Ort zu bleiben, anzukommen und anregende Gespräche mit den Leuten zu führen. Beth ist eine großartige Köchin und wir durften schon einige leckere asiatische Gerichte probieren. Hier ist eines ihrer (nicht wirklich asiatischen, dafür einfachen und leckeren) Rezepte:

Beth’s Cracker

  • 2 Tassen Sonnenblumenkerne
  • 1 Tasse Kürbiskerne
  • 1 Tasse Sesamkerne
  • 1 Tasse Leinsamen
  • nach Geschmack weitere Kerne & Samen, z.B. Chiasamen, Kümmel etc.
  • 2 Tassen Mehl
  • Kokosöl
  • Baking soda in einer Tasse Wasser gelöst, dazu noch 2 weitere Tassen Wasser
  • kräftiger Schuss Reiskeimöl

Die Kerne und Samen in einer Schüssel mischen. In einer anderen Schüssel die restlichen Zutaten mit 2 weiteren Tassen Wasser mischen bis eine dickflüssige Masse entsteht. Die Kerne dazu geben und die Masse gleichmäßig auf 2 Blechen verteilen. Bei 130 Grad 1 Stunde backen, ab und zu mit Olivenöl besprühen und bevor es zu hart ist (ca. nach 20 Minuten Backzeit) in Vierecke schneiden.

Ich finde es spannend, einmal in solch ein „Kommunenleben“ hineinzuschnuppern, die Strukturen, Abläufe, Vorteile, aber auch Schwierigkeiten kennenzulernen. Ich bin beeindruckt davon, wie sehr die Leute miteinander im Austausch stehen, sich gegenseitig helfen (bspw. ist Klaus zwar schon berentet, die anderen wissen jedoch von seinen handwerklich-technischen Fähigkeiten, sodass er immernoch die erste Ansprechperson ist wenn eine Waschmaschine oder ein Ofen nicht mehr funktioniert) und wie sehr dadurch Ressourcen (finanziell wie materiell) eingespart werden können. Als größte Schwierigkeit könnte vermutlich die Entscheidungsfindung angeführt werden. Man könnte meinen, dass, nachdem die Kommune schon so lange existiert, alles geklärt und schriftlich festgehalten sei… aber nein, es kommen immer wieder neue Themen, Projekte, Ideen auf, die einer Klärung bedürfen und zur Entscheidungsfindung hat sich die Kommune auf eine einstimmige Mehrheit geeinigt, es müssen also alle mit einem Vorhaben einverstanden sein, bevor es umgesetzt werden kann. Und auch der Verlust des Privateigentums wäre für mich, denke ich, erst einmal ungewohnt, bedeutet es doch, dass jede/r 100 Dollar „Taschengeld“ pro Woche zur Verfügung hat und bei größeren Anschaffungen die restlichen Mitglieder um ihre Zustimmung bitten muss – wie gesagt, alle müssen dem zustimmen. Trotzdem ist es spannend, sich mit dieser speziellen Form des Zusammenlebens zu beschäftigen und wer noch mehr erfahren möchte, hier ist ein Buchtipp, den ich bekommen habe:

„Creating a Life together“ von Diana Leafe Christian

Und natürlich:

www.riverside.org.nz

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Hallo liebe Betty,
    dein Beitrag ist interessant und informativ geschrieben! Man bekommt
    einen Eindruck über das Leben in einer Kommune im fernen Neuseeland und über eure offene Art, sich diesem Leben zu nähern.
    Ich freue mich schon auf den (vielleicht) nächsten Bericht!!!

Schreibe einen Kommentar

Menü schließen